Was ist ein Exit-Gespräch und wann führt man es?
Ein Exit-Interview (Austrittsgespräch) ist ein strukturiertes Gespräch mit Mitarbeitenden, die das Unternehmen verlassen. Sie sind ein Teil von Offboarding. Wenn Sie den gesamten Austrittsprozess abdecken möchten (Übergabe, Zugänge, Geräte, IT/Security): Hier geht’s zu unserem Offboarding-Blog.
Ziel des Exit-Gesprächs ist nicht Rechtfertigung, sondern Lernen:
- Was war gut?
- Was war schlecht?
- Was hätte man ändern müssen, damit die Person geblieben wäre?
Wichtig für Planungsbüros und IT-Dienstleister: Exit-Gespräche sind nicht nur bei Selbstkündigung relevant. Sie sind sinnvoll bei jedem Austritt – auch wenn die Kündigung vom Unternehmen ausgeht oder einvernehmlich erfolgt. Und auch Pensionierungen liefern oft sehr konstruktive Hinweise für Führung, Zusammenarbeit und Prozesse.
Selbstkündigung durch den Mitarbeitenden vs. Kündigung durch das Unternehmen: So grenzen Sie sauber ab.
- Bei Selbstkündigung geht es stark um Ursachen und Muster: Führung, Arbeitslast, Entwicklung, Teamklima, Rahmenbedingungen.
- Bei Kündigung durch das Unternehmen braucht es einen besonders sauberen Rahmen: respektvoller Abschluss, Prozessfeedback, klare Learnings – ohne „Schuld-Fragen“ oder Diskussion über die Entscheidung.
Wer sollte das Exit-Gespräch führen?
Wenn Sie ehrliches Feedback wollen, ist die Gesprächsführung entscheidend. In der Praxis hat sich bewährt:
- Exit-Gespräch nicht mit dem direkten Vorgesetzten führen (Hemmschwelle, weniger Offenheit).
- Stattdessen: HR/People & Culture oder eine neutrale Person (z. B. HR-Consultant).
- Mit dem Vorgesetzten separat ein eigenes Abschieds- und Übergabegespräch führen (wertschätzend, organisatorisch).
Gerade in Planungsbüros und IT-Dienstleistern hilft diese Trennung: Das Exit-Gespräch sammelt Learnings, das Offboarding/Übergabegespräch schützt Projekte. (Und: Das vollständige Offboarding bleibt dadurch sauber)

Exit-Gespräch Fragen: Welche Themen müssen abgedeckt sein?
Ein gutes Exit-Gespräch ist standardisiert (Vergleichbarkeit) und gleichzeitig konkret (Beispiele statt Floskeln). Die beste Kombination:
- Kernfragen, die immer gleich bleiben
- Nachfragen, die konkrete Situationen sichtbar machen („Wann genau? Woran festgemacht? Beispiel?“)
Diese 6 Bereiche sollten in keinem Exit-Gespräch fehlen:
- Kündigungsgrund & Wechselmotiv (Warum jetzt? Was war der Auslöser?)
- Führung & Zusammenarbeit (Kommunikation, Klarheit, Feedbackkultur)
- Rolle, Aufgaben & Entwicklung (Passung, Perspektive, Lernen)
- Arbeitslast & Ressourcen (Projektlast, Priorisierung, Staffing)
- Onboarding & Erwartungsmanagement (Versprechen vs. Realität)
- Abschlussfragen (Weiterempfehlung, Re-Hire, letzte Hinweise)
Gerade im Projektgeschäft (Planungsbüro) und in toolgetriebenen Umgebungen (IT-Dienstleister) lohnt sich außerdem ein kurzer Zusatzblock zu Übergaben/Dokumentation bzw. Tools/Berechtigungen.
Gratis Download: Leitfaden Exit-Interview (Fragebogen) für Austrittsgespräche
Damit Sie sofort starten können, hat Consultant Patrick Schuster einen Interviewleitfaden (Fragebogen) für Exit-Gespräche entwickelt – speziell für Planungsbüros und IT-Dienstleister: standardisiert, vertraulich und praxisnah.
Der Leitfaden hilft Ihnen:
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vergleichbare Gespräche zu führen (statt jedes Mal neu zu improvisieren)
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konkrete Beispiele abzufragen (statt „passt schon“)
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Feedback strukturiert zu dokumentieren, auszuwerten – und in Maßnahmen zu übersetzen
Wie bei Mitarbeitergesprächen während des Jahres durchlaufen Sie dabei 3 Phasen (Vorbereitung – Durchführung – Nachbereitung). Genau dafür enthält der Download eine kompakte Austrittsgespräch-Checkliste:
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Vorbereitung:
Termin fixieren · neutraler Interviewer · Leitfaden bereit · Vertraulichkeit klären -
Durchführung:
Rahmen setzen (30–60 Min) · Gründe + Frageblöcke · nach Beispielen fragen · sauber abschließen (Empfehlung/Re-Hire/Dank) -
Nachbereitung:
Erkenntnisse zusammenfassen · clustern · Trends prüfen · Maßnahmen (Owner/Review) · Learnings ins Offboarding zurückspielen
Vorteile und Ziele: Warum Exit-Interviews so wertvoll sind
Exit-Interviews liefern Ihnen nicht nur einzelne Meinungen, sondern Hinweise auf strukturelle Themen im Employee Lifecycle. Besonders in Planungsbüros und IT-Dienstleistern sind das oft wiederkehrende Muster:
- Retention & Führung verbessern: Warum gehen Leistungsträger? Was fehlt (Entwicklung, Führung, Perspektive, Flexibilität)?
- Projektgeschäft absichern: Wo entstehen Single Points of Knowledge? Wo fehlen Standards, Übergaben, Dokumentation?
- Employer Branding stärken: Ein professioneller Abschluss wirkt nach außen – gerade in Branchen, in denen man sich wieder begegnet.
- Offboarding verbessern: Exit-Interviews liefern die Learnings, Offboarding sorgt dafür, dass Übergaben, Zugänge und Geräte sauber laufen.
Wie HR-Software Exit-Gespräche einfacher macht
Wichtig vorweg: Exit-Interviews sind selten „ein Button“. Aber HR-Software macht das Drumherum verlässlich – und genau das zählt in Planungsbüros und IT-Dienstleistern, wo viel parallel läuft.

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Automatisierte Erinnerung an das Exit-Gespräch
Das Exit-Interview kann als eigener Schritt im Offboarding-Workflow angelegt werden (z. B. Aufgabe „Exit-Gespräch terminieren“). So gibt es klare Zuständigkeiten und das Gespräch geht im Tagesgeschäft nicht unter. (Und ja: Das zahlt direkt auf Offboarding ein). -
Ergänzung durch Exit Surveys (vor oder nach dem Gespräch)
Optional können kurze Umfragen vorab ein Stimmungsbild liefern – oft ehrlicher als spontan im Gespräch. Das Exit-Interview kann dann gezielt nachhaken („Sie haben X angegeben – was war der Auslöser?“). -
Dokumentation des Gesprächs
Notizen, vereinbarte Punkte und Zusammenfassungen können zentral abgelegt werden (statt in Word-Dateien oder E-Mails zu verschwinden). Wichtig: Vertraulichkeit einhalten und Ergebnisse nur anonymisiert auswerten. -
Auswertung: von Einzelmeinungen zu Mustern
Der größte Hebel entsteht, wenn Exit-Feedback auswertbar wird: Mit Reports/Analytics erkennen Sie wiederkehrende Ursachen für Fluktuation. Typische Muster sind z. B. Führung, fehlende Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten, Teamklima/Kultur, Vergütung & Benefits, fehlende Flexibilität (Remote) oder Probleme in bestimmten Phasen des Employee Lifecycle. So sehen Sie schneller, wo Handlungsbedarf besteht – und können Maßnahmen gezielt priorisieren. -
Positive Beziehung durch professionellen Prozess
Gut geführte Exit-Interviews hinterlassen einen professionellen letzten Eindruck – und erhöhen die Chance auf Empfehlungen, Re-Hires oder spätere Zusammenarbeit.
Unsere HR-Lösungen: Mit ingo365 HR (Planungsbüros) und timo365 HR (IT-Dienstleister) unterstützen wir Sie dabei, HR-Prozesse – inklusive Offboarding und den Schritt „Exit-Interview“ – als sauberen Workflow abzubilden.
Fazit: Exit-Gespräche machen aus Abgängen Learnings
Exit-Interviews machen aus dem letzten Kapitel im Employee Lifecycle einen echten Verbesserungshebel – gerade in Planungsbüros und IT-Dienstleistern, wo Projektwissen, Kundenkontext und Tool-Landschaften eng verzahnt sind. Entscheidend ist ein sauberer Rahmen: neutral geführt, standardisiert, vertraulich – und konsequent ausgewertet.
Starten Sie pragmatisch mit unserem Gratis-Leitfaden/Fragebogen. Und verbinden Sie Exit-Interviews mit einem professionellen Offboarding-Prozess (Übergabe, Zugänge, Geräte, Kommunikation) – den kompletten Rahmen finden Sie in unserem Offboarding-Beitrag
FAQs: Exit-Interview bei Planungsbüros & IT-Dienstleistern
Definition
Was sind Exit-Gespräche?
Exit-Gespräche (Exit-Interviews/Austrittsgespräche) sind strukturierte Gespräche mit Mitarbeitenden, die das Unternehmen verlassen. Ziel ist ehrliches Feedback und konkrete Learnings.
Fragenkatalog
Welche Fragen sollte man in einem Austrittsgespräch stellen?
Kernfragen zu Kündigungsgrund, Führung/Team, Rolle/Entwicklung, Arbeitslast/Ressourcen und Abschlussfragen (Weiterempfehlung, Re-Hire). Wichtig: nach konkreten Beispielen fragen.
Nutzen
Warum ist ein Austrittsgespräch sinnvoll?
Weil Sie Muster hinter Fluktuation erkennen, Retention verbessern, das Projektgeschäft absichern und Employer Branding stärken – besonders relevant für Planungsbüros und IT-Dienstleister.
Teilnehmer
Wer sollte ein Exit-Interview führen?
Am besten eine neutrale Person (HR/People & Culture), nicht die direkte Führungskraft. Das erhöht die Chance auf ehrliches Feedback. Mit der Führungskraft kann es ein separates Abschieds- bzw. Übergabegespräch geben.
Auswertung
Was macht man mit den Ergebnissen aus Exit-Interviews?
Feedback clustern (z. B. Führung, Rolle, Arbeitslast, Prozesse), Trends erkennen und konkrete Maßnahmen ableiten (Owner + nächster Schritt). Sonst bleibt das Gespräch folgenlos.

